Freitag, 29. August 2014

Großes Kino



2012 wurde der Stikine das erste Mal ohne Luftunterstützung befahren, Versuche gab es bis dahin genügend. Und ich wage ja zu behaupten der erste Österreicher gewesen zu sein, dem die Ehre zuteil wurde da runter gefahren zu sein. Großes Abenteuer, große Bühne, große Emotionen, großes Kino und ich komme wieder! Das Gesehene in Worte zu fassen, wäre gemein und spotte der Wahrheit. Im Prinzip aber gestalten sich die 3 Tage nach Schichten. Zuunterst ist der Fluss, 450.000 Liter pro Sekunde ergießen sich, falsch quetschen sich durch einen Schlurf. Darauf mit unseren bunten Booten recken wir unsere Köpfe hoch hinaus, um rechtzeitig in der Gischt oder hinter Riesenbrechern die nächste Walze ausspähen zu können, um nicht dort ab zu reiten, oder gar zu kentern, so wie es einem Ami aus einer anderen Gruppe passiert ist. Wären wir nicht vor Ort gewesen, hätte er kein Boot mehr gehabt, um weiter zu fahren. Eine Hubschrauberbergung am Seil wäre unausweichlich gewesen.
Eine Schicht höher an den Felsen geschmiegt sonstige Bewohner der Felsen, weiße Bergziegen, ausgebildet als Bodybuilder der Ziegenszene, extrem gut im Klettern und Steinewerfen.  So hat ein Vieh von denen es tatsächlich probiert die bunten Dinge unten im Wasser mit Steinen in Faustgröße zu treffen. Man glaubt es kaum, wir sind knapp einer Katastrophe entgangen, es hörte sich auch komisch an, nicht ersoffen, nein durch Steinschlag am Stikine umgekommen. Die restliche Schicht bis an die Oberfläche bilden senkrechte Wände, die zwei Arten von Spezialisten das Herz höher schlagen ließen, einerseits Extremkletterer und andererseits Geologen, die in den unzähligen Schichten in der Geschichte der Erde lesen könnten. So finde ich auch nebenbei Fossilien, deren Gewicht es aber nicht zulassen, dass ich sie mitnehme, leider. Hätte ich nicht schnell weitermüssen, wäre ich noch länger geblieben, um im Schiefer nach kleinen versteinerten Tieren zu suchen. Und Mann, hatten wir großes Glück, das alles mit Sonne und hochsommerlichen Temperaturen genießen zu dürfen.  -hochsommerlich in nordischen Verhältnissen gemessen, versteht sich ja wohl. -  
Im Camp trübt nichts die Laune, Lagerfeuerromantik und „UNO“? Tatsächlich Rok hat ein wasserfestes Spiel mit und 6 erwachsene Männer sitzen im Kreis ums Feuer und spielen Uno. Von den Jahren her gesehen, weit darüber hinaus als uncool zu gelten, um sich Gesellschaftsspielen zu widmen. Diese Truppe sind die Silver Foxes, entsprechend der einsetzenden Farbumwandlung ihrer Haarpracht, sofern  noch genügend vorhanden ist.
So unglaublich das Erlebnis am Fluss ist, so eintönig offenbart sich die Landschaft oberhalb, wenn es Sehenswertes gibt, entsteht dies durch die Kraft des Wassers, das die Schönheiten zu Tage fördert. Wild, abgelegen und abenteuerlich scheinen auch die Leute zu sein, die dort ihr Auslangen finden müssen. Man bedenke, haben die doch 8 Monate Winter und welchen Job auch immer. Winter und kaltes Wetter muss man schön mögen. Junge oder schöne Menschen aus dem Westen verirren sich nur zufällig in diese Gegend, und wenn, dann nur um Urlaub zu machen. Die Straße nach Alaska durch Dease Lake, einem Nest, und das ist noch zu groß formuliert mit seinem Diner, der Tanke und ein paar abgetakelten Hütten, ist asphaltiert und die einzige Möglichkeit Richtung Norden, neben der Hauptroute weiter im Osten. Alles andere sind Zubringer, geschottert, wie die Piste nach Telegraf Creek, dem Ort beim Ausstieg des Sitkine, wo die First Nation den Großteil der Bevölkerung stellt. In ihrem Fall sehe ich da schon ein, dass sie richtig heftige Trucks fahren, bedenkt man diese Abgeschiedenheit. Wobei, ich habe da auch einen Flitzer passieren sehen, dessen Fahrer ganz begeistert gewesen sein muss von World Ralley Cars, immer am driften und fest am Gas. Um die Häuser herum verdeckt der Schnee die meiste Zeit des Jahres den Garten, wäre es nicht so, würde sich irgendjemand einmal um die Gartengestaltung kümmern und den Grund nicht als Müllhalde nutzen. Skidoos zeugen wohl davon, ebenso der typische Wuchs der kältegeplagten Nadelbäume der Tundra, schmal, hochgewachsen und nicht als geschlossener Wald stehend, ideal um dazwischen im Schnee Spuren zu ziehen und weiß Gott was zu jagen?

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